von Ariane Thiele
Ein Bericht von Ariane Thiele
Geisternetze bergen bei Rügen 01.-11. Mai 2025
Im Mai 2025 hat unser Verein BSNHPA e.V die bisher größte Bergung von Geisternetzen in der Ostsee an zwei Wracks, einem alten Holschiff und einem Logger, durchgeführt. Insgesamt ca. vier Tonnen etwa 40 Jahre alte Fischernetze haben wir geborgen.
Die Taucher haben die Netze in 45 Meter Tiefe zuvor am Wrack gelöst und mit Hebesäcken an die Wasseroberfläche geschickt. Dort wurden sie von den 2 kleinen Motorbooten zum Fischkutter gebracht.
Mit dem 23 Meter langen Fischkutter Antares, der einen Kran an Bord hat und eine ordentlich große Rolle, konnten wir die alten Netze an Bord ziehen.
In den geborgenen Netzen kann sich jetzt kein Fisch und keine Robbe mehr verfangen. Auch die Schifffahrt wird sicherer, wenn sich kein schwebendes Netz in der Schiffsschraube verirrt.
An 8 Tagen konnten wir wetterbedingt rausfahren. Neben dem Fischkutter Antares, auf dem ich es mir - ab 2. Tag dann wirklich warm angezogen - gemütlich gemacht und die Bergung der Netze beobachtet habe, hatten wir das Schlauchboot von Uli und das Aluboot von Wolfgang im Einsatz. Mit den kleinen Motorbooten gelingt es den Tauchern schnell ins Wasser zu kommen und ebenso schnell auch wieder aus dem Wasser aufs Boot zu kommen. Je nach Wetterlage waren 1-2 Tauchgänge am Tag möglich.
Unser 11-köpfiges internationales Team aus Deutschland, Litauen, Schweiz und Ukraine besteht aus 7 ehrenamtlichen Tauchern, davon 1 professioneller Kameramann, 4 Oberflächen-Supporter, davon 2 Bootsführer. Vom Verein sind 3 Vorstandsmitglieder vor Ort: Sabine, Markus und meine Wenigkeit.
Sabine hatte die Projektwoche von der Schweiz aus gut organisiert. Der Feinschliff erfolgte vor Ort. Da ich selbst nicht tauche und für die interne Verwaltungsarbeit des Vereins zuständig bin, konnte ich mir das Netze bergen live anschauen, zwischen Schiffscrew und Taucherteams kommunizieren und die Vereinsmitglieder über die WhatsApp-Gruppe täglich mit Texten und Bildern informieren. Das hat mir große Freude gemacht und die gewonnene Erfahrung ist für mich sehr wertvoll, um u.a. auf der Boots-Messe in Düsseldorf, wo wir jährlich über unsere Vereinsarbeit informieren, berichten zu können. Ganz nebenbei konnten wir in der Projektzeit eine kleine Vorstandssitzung in Präsens durchführen. Hierbei haben wir uns u.a. über die Änderung des Vereinslogos geeinigt und über die nächsten Aktionen ausgetauscht.
Gewohnt haben wir vom Team alle im Hotel Inselglück in Hagen. Die gemeinsamen Mahlzeiten sind sehr familiär und man fühlt sich als Teil eines Ganzen, als Mitglied einer tollen Gruppe, die alle ein Ziel haben: die Ostsee von Plastikmüll zu befreien. Die Hotelleitung kennt uns schon seit Jahren und ist sehr flexibel, was unser morgentliches Frühstück und das überwiegend im Hotel eingenommene Abendessen angeht. Wir fahren morgens früh raus und kommen am frühen Abend erst wieder rein, damit sich der Ausflug aufs Wasser auch lohnt. Mit den kleinen Motorbooten sind die Taucher ab Glowe in etwa 1 Stunde am Wrack, mit der Antares brauchen wir ca. 2 Stunden ab Hafen Sassnitz bis zum Zielwrack.
Während eines gemeinsamen Abendessens im Hotel haben wir 2 Teammitgliedern Urkunden überreichen können, mit denen sie zu Ehrenmitgliedern des Vereins erklärt werden: Tom und Wolfgang. Herzlichen Glückwunsch! Die beiden sind immer bei unseren Aktionen auf Rügen dabei und wir sind stolz, so erfahrene und umsichtige Taucher im Team zu haben.
Neben dem praktischen Netzebergen gab es auch 2 interessante Vorträge von Egidius und Tom zu der Munition aus dem 1. und 2. Weltkrieg, die sich noch in der Ostsee befindet, damit die Taucher diese erkennen und wissen, wo so sie besser nicht anfassen sollen, falls ma so etwas im Netz oder am Wrack sein sollte.
Kapitän André und Fischer Marcel arbeiten auf der Antares Hand in Hand, um die Netze sicher an Bord zu ziehen und sie später direkt an Land zu bringen, entweder mit dem Kran oder direkt an Bord in Big Packs verpackt, sodass die Entladung an Land schneller von Statten geht.
Die Schiffsbesatzung der Antares und der Verein haben das 2. Mal zusammen gearbeitet. Die Zusammenarbeit ist super. Vom Schiff aus wurden die Taucher mit heißem Kaffee versorgt, den man nach einem Tauchgang in der 6 Grad Celsius kalten Ostsee gut gebrauchen kann. Es gab auch mal eine frisch gegrillte Bratwurst oder Fischbrötchen. Und auch eine Geburtstagstorte, denn unser Andrey hatte Geburtstag und wir haben am Morgen auch für ihn gesungen. Wir haben uns trotz der Anstrengungen alle sehr wohl gefühlt und gut verstanden. Ich würde meinen, der diesmal etwas längere gemeinsame Aufenthalt hat uns als Team ein bisschen mehr zusammengeschweißt.
Die Taucher haben hervorragende Arbeit geleistet, der Kameramann und Fotograf Stefan hat super Bilder und Videos unter und über Wasser für den Verein gemacht, sodass wir unsere ehrenamtliche Arbeit nach außen besser präsentieren können.
Die geborgenen Netze wurden in insgesamt 8 Big Packs verpackt mit Gabelstapler und VW-Bus zu Wolfgang gebracht, von dort aus werden sie entsorgt. Die alten Netze enthalten Teer und Arsen, sie sind aus Plastik und Sondermüll, nicht recyclebar, und müssen kostenpflichtig entsorgt werden.
Unsere Vereinsarbeit ist sehr kostenintensiv. Bisher haben wir die meisten Kosten stets aus den Mitgliedsbeiträgen und Spenden sowie eigenen Kosten selbst finanziert. Die Tauchteams arbeiten ehrenamtliche und zahlen ihre Ausrüstung, Reisekosten, Hotel und Verpflegung aus eigener Tasche. Verwaltungskosten fallen bei uns nicht an, das machen wir alles ehrenamtlich selbst. Durch die Großspende der Theo und Liesel Bechtold-Stiftung konnten wir diesmal die Hotelkosten und die Anmietung des Kutterschiffs nebst Crew abdecken. Das ist wirklich einmalig, so dass wir einen längeren Aufenthalt für alle Teammitglieder ermöglichen konnten.
Im Namen des Vorstands möchte ich mich ganz herzlich bei allen bedanken, die in der Projektwoche dabei waren und die Ostsee um einiges an Plastik erleichtert haben. Für mich war es eine tolle Zeit auf der Antares, auf der ich die Aktion begleiten durfte. Danke an das ganze Team! Danke an die Schiffscrew. Die Schifffahrt ist mir jetzt ans Herz gewachsen. Ich komme wieder!
Danke an die Partner und Unterstützer des Vereins und des Projektes:
Fundgrube Wolfgang Frank, Tauchsport Pape, Tauchen mit Markus, Baltic Sea Explorer, Odins Tauchsport.
Danke an alle Sponsoren des Vereins, insbesondere:
Theo und Liesel Bechtold-Stiftung, Bauer Kompressoren, SDI/TDI, Autohaus Kerkau, Offshore Windenergie und auch, das möchte ich hier mal erwähnen, an die Mitglieder des Sportvereins Landtag Brandenburg, die bei einem Jahresabschlussbowling zugunsten unseres Vereins BSNHPA e.V. gesammelt und gespendet haben. Danke auch für die Spende meiner Kollegen und Kolleginnen, denen ich auf einer Weihnachtsfeier von unserer Vereinsarbeit berichten konnte. Wir freuen uns als Verein über jede Spende und setzen sie zu 100 % für die Vereinsarbeit ein.
Spenden können auf folgendes Konto vorgenommen werden: Konto bei der GLS-Bank: Kontoinhaber: Baltic Sea Nature & Heritage Protection Association e.V., IBAN: DE98 4306 0967 1067 6119 00, BIC: GENODEM1GLS. Bei Spenden ab 300 EUR oder auf Wunsch des Spenders erteilen wir Spendenbescheinigungen.
Bericht von Ariane Thiele